Behandlungsspektrum

Wir behandeln alle Menschen, die unter starken chronischen oder akuten Schmerzen leiden. Um welche Art von Schmerzen es sich handelt (Dauer, Ursache, Intensität), ist zunächst zweitrangig. Voraussetzung für eine Behandlung auf unserer Station ist in jedem Fall die Überweisung durch die Hausärztin/den Hausarzt, eine niedergelassene Fachärztin/einen niedergelassenen Facharzt oder eine andere Klinik. Dabei kann die Überweisung sowohl in die ambulante Praxis für Schmerztherapie von Dr. Thorsten Fritz in Butzbach als auch direkt zur stationären Aufnahme im Hochwaldkrankenhaus erfolgen. Wichtige Voruntersuchungen bezüglich der Ursache des Schmerzes sollten bereits durchgeführt worden sein, damit wir möglichst rasch mit der Behandlung der Schmerzen beginnen können. Selbstverständlich leiten wir ergänzende Untersuchungen, falls notwendig, in die Wege. In unserer Station mit Schwerpunkt Spezielle Schmerztherapie werden Patienten und Patientinnen aller Krankenkassen behandelt. Die Therapie wird komplett von den Krankenkassen übernommen.

Kopfschmerz
Kopfschmerzen zählen zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden. Statistiken zufolge leidet jeder 20. bis 25. Deutsche täglich daran, 70 Prozent der Bevölkerung klagen über gelegentliche oder immer wiederkehrende Kopfschmerzen. Von den 220 unterschiedlichen Kopfschmerzarten, die die Medizin heute unterscheidet, sind Migräne und Spannungskopfschmerzen die wichtigsten der so genannten primären Erscheinungsformen, bei denen der Schmerz selbst die Erkrankung darstellt. Sie können auch kombiniert auftreten und betreffen schätzungsweise 90 Prozent aller Kopfschmerzpatienten. Weitere primäre Kopfschmerzformen sind der Cluster-Kopfschmerz und der medikamentenassoziierte Kopfschmerz. Seltener sind die so genannten sekundären Kopfschmerzen, die durch andere Erkrankungen (beispielsweise die Fehlstellung eines Zahns oder Erkrankungen der Wirbelsäule) verursacht werden.

Gesichtsschmerz
Die Trigeminusneuralgie ist die wohl bekannteste Form des Gesichtsschmerzes. Sie bezeichnet eine äußerst schmerzhafte Reizung des 5. Hirnnerven, des Nervus trigeminus. Je nachdem, ob die Ursache bekannt ist oder nicht genau definiert werden kann, unterscheidet man die symptomatische und die idiopathische Trigeminusneuralgie. Charakteristisch ist in jedem Fall der blitzartig einschießende Schmerz. Er hält meist nur für wenige Sekunden an, selten bis zu zwei Minuten, und wird oft begleitet von einer Rötung oder tränenden Augen. Die Attacken treten in der Regel über einen längeren Zeitraum mehrmals pro Tag auf. Als Auslöser können bestimmte Bewegungen oder Berührungen ebenso wirken wie ein kalter Luftzug. Der atypische Gesichtsschmerz, auch anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz genannt, bezeichnet dagegen einen dumpf-drückenden Dauerschmerz, der häufig im Bereich von Oberkiefer, Auge, Nase und Stirn lokalisiert wird. Er tritt meist einseitig auf, kann aber die Seite wechseln oder plötzlich auch beidseitig auftreten.

Rückenschmerz
Rückenschmerzen sind nach Erkältungen die zweithäufigste Ursache für Arztbesuche. Statistiken zufolge leidet aktuell jeder dritte Deutsche daran. Vier von fünf Menschen klagen mindestens einmal in ihrem Leben über Rückenschmerzen, 70 Prozent mindestens einmal im Jahr. Die volkswirtschaftlichen Auswirkungen sind enorm: Bei Männern sind Rückenschmerzen mit 14 Prozent die häufigste, bei Frauen mit 11 Prozent die zweithäufigste Ursache für Arbeitsausfälle, und die meisten Anträge auf Frührente werden mit Wirbelsäulenbeschwerden begründet. Wegen der zunehmend sitzenden Lebensweise werden die Patienten zudem immer jünger; Kinder mit Rückenschmerzen infolge von Haltungsschäden sind keine Seltenheit mehr. Insgesamt sind die Ursachen von Rückenschmerzen vielfältig und teilweise schwer zu diagnostizieren. Mit zunehmendem Alter der Patienten bedingen häufiger verschleißbedingte Veränderungen der Wirbelsäule wie degenerative oder entzündliche Erkrankungen oder Bandscheibenvorfälle die Beschwerden. Als Auslöser in Frage kommen aber auch internistische Erkrankungen wie etwa Rippenfellentzündung, koronare Herzkrankheit oder Gallenkoliken oder aber gynäkologische Erkrankungen. Zur Abklärung bestimmter Rückenschmerzen wurde Anfang 2017 eine Wirbelsäulen-Sprechstunde eingerichtet, deren Inanspruchnahme allerdings nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird.

Tumorschmerzen
Eine besondere Bedeutung erlangt die Spezielle Schmerztherapie in der Krebstherapie. Starke Schmerzen sind eines der wesentlichen Symptome bei fortschreitender Erkrankung. Sie können die Lebensqualität des Patienten erheblich beeinträchtigen. Ihre Linderung durch ein individuell abgestimmtes, multimodales Konzept ist für die betroffenen Menschen eine wesentliche Voraussetzung dafür, mit der Erkrankung ein weitgehend selbstständiges, selbstbestimmtes und beschwerdefreies Leben zu führen.

CRPS (M. Sudeck)
CRPS (Complex regional pain syndrome, auch: Komplexes regionales Schmerzsyndrom) gehört zu den neurologisch-orthopädisch-traumatologischen Erkrankungen. Der Begriff ersetzt mehrere frühere Bezeichnungen wie M. Sudeck, die in der Regel nicht mehr benutzt werden. Charakteristisch sind anhaltende Entwicklungstörungen und/oder Gewebeschwund an Gliedmaßenabschnitten nach äußerer Einwirkung (z.B. Traumen, Operationen und Entzündungen). Bekannte Symptome sind Durchblutungsstörungen, Ödeme, Hautveränderungen, Schmerzen und schließlich Funktionseinschränkungen. Die Erkrankung tritt bei Erwachsenen häufiger an den oberen Gliedmaßen als an den unteren auf, sie ist relativ häufig nach Brüchen im Bereich des Handgelenks. Frauen sind von CRPS häufiger betroffen als Männer.

Gürtelrose
Jährlich erkranken in Deutschland 350.000 bis 400.000 Menschen an Gürtelrose (Herpes Zoster). Verursacht wird die Erkrankung durch das zur Familie der Herpesviren gehörende Varizella-Zoster-Virus, das im Kindesalter Windpocken auslöst und mit dem bis zum 40. Lebensjahr 98 Prozent der Bevölkerung in Kontakt kommen. Die Viren bleiben im Körper und können beispielsweise durch Stress oder ein geschwächtes Immunsystem reaktiviert werden. Dementsprechend hoch ist die Gefahr der Erkrankung an Herpes Zoster. Im Lauf ihres Lebens leiden knapp ein Drittel aller Menschen mindestens einmal daran, wobei die Krankheitsrate mit zunehmendem Alter steigt. Symptomatisch ist ein schmerzhafter, streifenförmiger Hautausschlag mit Blasen auf einer Körperseite. Er entsteht dadurch, dass die Entzündung von einem Nerv auf das umliegende Gebiet der Haut übergreift. Der volkstümliche Ausdruck "Gürtelrose" spiegelt eine besonders ausgeprägte Erscheinungsform der Viruserkrankung wider, bei der sich der rötliche Ausschlag von der Wirbelsäule ausgehend halb- oder beidseitig wie ein Gürtel um den Körper legt.

Stumpf-/Phantomschmerz
Zwischen 50 und 80 Prozent aller Patienten mit Amputationen leiden an "Phantomschmerz", der häufig schmerzhaften Empfindung, eine amputierte oder fehlende Gliedmaße, seltener ein gezogener Zahn oder ein fehlendes Organ, sei immer noch am oder im Körper vorhanden. Stress, Angst oder Witterungsumschläge können den Schmerz verschlimmern. Phantomschmerzen treten dann auf, wenn Nerven, die normalerweise die fehlende Gliedmaße versorgt hätten, Schmerzen auslösen. Die Schmerzen sind individuell sehr unterschiedlich; oft werden sie als brennend empfundenen. Beschrieben werden aber auch Gefühle von Wärme oder Kälte, Juckreiz, Kribbeln oder das Empfinden, die Gliedmaße werde gequetscht oder sei eingeengt.

Neuropathien
Neuropathien sind durch unterschiedliche Ursachen ausgelöste Erkrankungen des peripheren Nervensystems. Unterschieden werden primäre (vom Nerven selbst ausgehende, in der Regel erblich bedingte) und sekundäre, durch andere Erkrankungen ausgelöste Erkrankungen der peripheren Nerven. Zur Gruppe der sekundären Erkrankungen des peripheren Nervensystems gehören entzündliche Erkrankungen, autoimmunologische Erkrankungen, metabolische Erkrankungen (am häufigsten Diabetes mellitus, aber auch Zöliakie/Sprue und dadurch entstehende Vitamin-Mangel-Zustände, Leber- und Nierenerkrankungen, das Refsum-Syndrom und Schilddrüsenstörungen) und toxische Erkrankungen, Beeinträchtigungen des neuronalen Stoffwechsels beispielsweise durch Medikamente, Chemotherapeutika, Schwermetalle, Methanol oder Ethanol.

Rheuma
Der Begriff "Rheuma" bezeichnet Beschwerden am Stütz- und Bewegungsapparat mit starken fließenden, reißenden und ziehenden Schmerzen, die häufig schubweise auftreten und oft mit einer funktionellen Einschränkung gekoppelt sind. Medizinisch korrekt ist die Bezeichnung "Krankheiten des rheumatischen Formenkreises"; inzwischen sind mehr als 400 unterschiedliche Krankheitsbilder bekannt. Entgegen der landläufigen Meinung ist Rheuma keineswegs nur eine Erkrankung älterer Menschen. Auch junge Erwachsene und selbst Kinder sind von rheumatischen Erkrankungen betroffen. Arthrosen (verschleißbedingte Gelenkbeschwerden) treten meist im höherem Alter auf, während die entzündliche Form (Arthritis) in der Regel zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr erstmals in Erscheinung tritt.

Fibromyalgie
Die Fibromyalgie, eine chronische, nichtentzündliche Schmerzerkrankung, gehört als Krankheitsbild zum rheumatischen Formenkreis und beginnt häufig schleichend mit unspezifischen Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Schlafstörungen oder Magen-Darm-Beschwerden, gefolgt von Schmerzen im Bereich der Lenden- oder der Halswirbelsäule. Erst danach entwickeln sich die typischen Schmerzen in Armen und Beinen sowie weitere begleitende Symptome und Beschwerden, beispielsweise diffuse Schmerzen im Brustbereich in Verbindung mit Atemnot oder Muskel- und Gelenkschmerzen am ganzen Körper. Betroffen sind nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 0,6 und 4 Prozent der Bevölkerung, davon zu 85 bis 90 Prozent Frauen. In der Regel verschlimmert sich die Krankheit nicht kontinuierlich, heftige Schmerzattacken wechseln mit schmerzfreien Intervallen. Kälte, Nässe oder äußere Belastungen wie Stress können die Krankheit verschlimmern. Schübe treten besonders häufig nach akuten Infektionskrankheiten auf (beispielsweise Grippe, Lungenentzündung oder Lyme-Borreliose).

Schmerzen bei Gefäßerkrankungen
Insbesondere entzündliche Erkrankungen von Blutgefäßen werden häufig von starken Schmerzen begleitet, die therapiert werden können.

Tinnitus
Tinnitus, das "Klingeln", Rauschen oder Klopfen im Ohr, bezeichnet in der Regel das Phänomen der Wahrnehmung von Geräuschen, für die eine äußere Quelle nicht gefunden werden kann, die also auf einer Störung der Hörfunktion beruht. Nur in ganz seltenen Fällen resultiert der dann als "objektiv" bezeichnete Tinnitus aus einer von außen wahrnehmbaren oder zumindest messbaren körpereigenen Schallquelle. In den letzten Jahrzehnten ist die Zahl der Tinnituspatienten kontinuierlich gestiegen. Schätzungen zufolge sind zehn bis 20 Prozent der Bevölkerung von Tinnitus dauerhaft betroffen, knapp 40 Prozent stellen wenigstens einmal in ihrem Leben ein derartiges Ohrgeräusch fest. Häufig beginnen die Beschwerden zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr. Über ständige Ohrgeräusche klagt ein Drittel aller älteren Menschen.

Osteoporose
Osteoporose (umgangssprachlich auch als Knochenschwund bezeichnet) ist die häufigste Knochenerkrankung im höheren Lebensalter und tritt in 95 Prozent als Primärerkrankung, also nicht in Folge einer anderen Erkrankung, auf. 80 Prozent aller Betroffenen sind Frauen nach der Menopause. Die Krankheit beginnt schleichend. Häufige Folgen der Osteoporose sind Knochenbrüche. Dabei stehen Wirbelkörper-Einbrüche an erster Stelle, gefolgt von hüftgelenksnahen Oberschenkelknochenbrüchen (u. a. Schenkelhalsfraktur), handgelenksnahen Speichenbrüchen, Brüchen des Oberarmkopfes und des Beckens. Insbesondere alte Menschen leiden so unter einer hohen Krankheitsbelastung durch Schmerzen, Bettlägerigkeit und manchmal auch anhaltende Bewegungseinschränkung.